Leseproben
Mops-Geschichten
Möpse machen glücklich
Es hat gemopst bei uns, und zwar ganz genau am Montagnachmittag um 16 Uhr 20. Als wir endlich die Wagentüren hinter uns zuschlugen, wurden wir von aufgeregtem, deutlich feindseligem Gebell empfangen. Jenseits des Gartenzauns, dessen Tor wir nun vorsichtig öffneten, starrten uns zwei riesige, missmutige und zwei kleine, erwartungsvolle Kulleraugen an.
Und dann war es um uns geschehen.
Mein Sohn Carl und ich sanken zeitgleich auf die Knie, fielen augenblicklich in eine Verzückungstrance - und er sprang uns in die Arme. Sein schwarzseidenes Fell duftete nach Baby, die dicken Pfoten ruderten durch die Luft, die rosige Zunge schlappte von einem Gesicht zum anderen.
Nun mss ich dazu sagen, dass ich Hunde nicht ausstehen kann. Mein Leben wurde schon immer von Katzen begleitet, deren ungebundene Zuneigung ich als Ausdruck tiefsten Glücks empfand. Hunde stinken, sind unterwürfig und überhaupt pflastern Urin und Kot ihren Weg.
Aber dieses hinreißende Wesen, das gerade ein paar Aufregunstropfen auf meinem Schoß verlor, ist schließlich kein Hund: Es ist ein Mops!
Samtigweich und schnaufend lag er in meinem Arm, während das leicht weggetreten strahlende Gesicht meines Sohnes in seinem Nacken ruhte. Carl und ich hatten endlich unsere Berufung gefunden: Wir sollten Mopsbegleiter werden. Dieses Möpschen würde unser Leben verändern!
Mein Sohn und ich schauten uns tief in die Augen und ahnten nicht im mindesten, wie ernst es dieser kleine Kerl mit seiner Veränderungslust meinen würde.
Zunächst war ich noch fest davon überzeugt, bestens auf das Leben mit unserem neuen Mitbewohner vorbereitet zu sein. Wir hatten uns natürlich ausgiebig informiert: Bücher, deren Einbände die verschiedensten putzigen Mopsgesichter zeigten, befanden sich in den strategisch wichtigsten Ecke unseres Hauses, um in
jeder freien Minute studiert werden zu können. Wir hatten stundenlang den Erlebnisberichten schon erfahrener Mopsbegleiter gelauscht und Telefonkonferenzen mit Züchtern in der ganzen Republik abgehalten.
Dabei grub sich mir vor allem ein Hinweis ins Gedächtnis, der von jedem Befragten eindringlich wiederholt wurde und in der Formulierung von Dr. Michael Rodger jeden zaghaften Widerspruch meinerseits endgültig erstickte, denn er musste es ja schließlich wissen. Er sagte: "Geben Sie sich keine Mühe, er schafft es am Ende sowieso. Ich kenne keinen, bei dem es länger als drei Tage gedauert hätte." Und so versuchten wir es gar nicht erst, sondern bereiteten unserem Mops gleich einen Platz in meinem Bett.
Mein Sohn, der auf den ausdrücklichen Wunsch seiner Mutter ohnehin jede Nacht etwa um 2 Uhr in mein Bett geschlichen kommt, beschloss (weil es so doch viel praktischer wäre), gleich dort einzuschlafen. Und schließlich legte ich mich auch noch dazu, von den emotionsreichen Erfahrungen des Tages völlig erschöpft. Keine
Minute zu früh, denn kaum hatte Carl sich in die Decke eingehüllt, hüpfte das Möpschen auch schon auf sein Kopfkissen, wo es sich siegessicher einrollte und Carl das Atmen erschwerte. Nun hatte ich mich zwar mit einem Mops im Bett schon in der Vorbereitungsphase abgefunden, in meiner Vorstellung lag er aber brav am
Fußende auf seinem Hundeplatz. Mit einer erstaunlichen Konsequenz - umso erstaunlicher, da sie mir bei meinem Sohn immer irgendwie fehlt - schob ich das Hundekind etwa 27 Mal auf seinen Platz zurück, dabei die Worte "Geh auf Deinen Hundeplatz!" wie ein Mantra wiederholend. Am Ende schliefen wir beide erschöpft auf halbem Wege ein, jeder zutiefst von seinem Sieg überzeugt.
Mitten in der Nacht erinnerte mich mein Unterbewusstsein daran, dass das Autoritätsgefecht noch keinesfalls entschieden war, und ließ mich aus dem Schlaf hochschrecken.
Ich sah mich um, der Hund war weg!
Nicht auf seinem Platz, nicht auf dem Kopfkissen.
Als langjährige Mutter immer mit dem schlimmsten rechnend, schlug ich die Bettdecke auf - und sah ein rührendes Bild aus ungezählten Kinderträumen. Carl lag auf der Seite, die Knie angewinkelt, die Hände anmutig unter sein Kinn gefaltet. Lang ausgestreckt, an seinen Rücken gepresst schlummerte der Mops. Eine Pfote umarmte Carls Schulter, die Schnauze schnaufte sanft in seinem Nacken.
Was sollte ich tun?
Ich kuschelte mich an den herrlich warmen Mopsrücken und schlief augenblicklich wieder ein.
Am nächsten Morgen erwachten wir alle gleichzeitig: das Kind in meinem Arm, der Mops auf seinem Platz und ich mit der gleichen Unschuldsmiene wie die beiden anderen.
Und dann gingen wir zusammen den Mann des Hauses wecken, der aus mopsbedingter Platznot im Bett unseres Sohnes übernachtet hatte.![]()
